Wien ist wieder mal eine Reise wert, wenn ihr NICHT ins Theater geht!
Ich habe mich wieder mal dazu aufgerafft und irgendwie gehört es ja zu meinem Beruf, mir seltsame Dinge im Theater anzusehen... Leider sind sie nicht seltsam, sondern einfach nur schlecht... Es lässt dich nach 8 min. auf die Uhr starren. (wie damals in der Schule, als der Uhrzeiger mehr als 60 sec. für 1 Minute benötigte...)
Also, ich ging in ein Stück von Juli Zeh. Zeh von mir hochgelobt in ihrem Debütroman "Spieltrieb" abgestürzt mit "Schilf", bekam nochmals eine Chance... "Schilf" wird übrigens von Dani Levy verfilmt... wollen wir hoffen, dass er das Buch gut bearbeitet hat...
Es begann schon damit, dass eine lange Warteschlange vor Garderobe und Toilette stand, der "Betrieb" war überfordert und deshalb konnte die Vorstellung erst mit 25 minütiger Verspätung beginnen... Ich hatte Hunger und dann ist verspäteter Beginn doppelt schlimm.
Eine Dame in Polizeiuniform (hat mit dem Stück zu tun), die die Karten abriss, schickte uns natürlich noch zur Garderobe - "Nein, ich gebe meinen Mantel nicht ab, da sich darin mein halbes Leben befindet und ich jetzt nicht mein halbes Leben mit meinem anderen halben Leben, das sich in meiner Tasche befindet, vermische..." Ordnung muss sein...! Dachte ich mir und spürte ihren hasserfüllten Blick in meinem Nacken. Später kam die selbe Dame - noch immer in Uniform und mittlerweile schlagstockbestückt auf die Bühne und drohte uns, wenn wir nicht sofort unsere Handies abschalten...
Ich dachte, ich stehe auf und gehe gleich wieder... Aber zum Glück durften wir uns gleich Dinge ansehen, die man nicht sehen will.... Ich hing schon in den Seilen und wunderte mich über Dummheiten des Stückes und die Bereitschaft von manchen Kollegen solche Dummheiten mitzumachen... Nein, sie waren nicht mehr so jung und so sehr kann man das Geld gar nicht brauchen...
Ich werde dann immer ziemlich unruhig und gehe, wenn ich etwas sehr schlecht finde - ich will ja die anderen Mitleidenden nicht stören. Aber diesmal musste ich leider über die Bühne, den Ort des angestrengten Entsetzens verlassen und glaubt mir... die Hüter des unsäglichen Theaterspiels haben sich nicht sehr darüber gefreut, als ich über ihren hässlichen Kaktus segelte... "Augen zu und durch Jungs, bald gibts Essen", sagte ich zu ihnen
und verschwand...